Ich war letzte Woche im Kino. Und die Woche davor auch. Zuerst sah ich — nun bereits wirklich schon etwas zurückliegend — den vielgepriesenen Film
„The Curious Case of Benjamin Button“, einen Film, den ich zunächst überhaupt nicht sehen wollte. Ein Film, der mich dann dennoch überrascht hat und obwohl ich von seiner Laufzeit nicht begeistert war (und viel schlimmer: der Tatsache, dass trotz Spätvorstellung noch einmal 20 Minuten Pause gemacht wurden!), fand ich ihn besser, als ich zunächst erwartet hatte. Es ist ein solide gemachter Film, der einen unterhält, einem Spaß macht, eine Geschichte erzählt von dem Leben eines außergewöhnlichen Amerikaners. Ein richtiger Forrest Gump eben.
Ja, genau so wirkte dieser Film auf mich und mag auch manches an dieser Story interessanter sein, über einen Forrest Gump kommt dieser Film auch nicht hinaus. Er hat sogar noch mit einigen Schwächen mehr zu kämpfen, ist Brad Pitt im Grunde kein überragender Schauspieler. Er spielt in diesem Film zwar weniger den Typ Mann, den man ansonsten von ihm gewöhnt ist und gerade seine Szenen als alter Mann sind durchaus beeindruckend; viel hat mich auch an sein Spiel in
„Sieben Jahre in Tibet“ erinnert; aber dennoch trägt er diesen Film nicht. Darüber hinaus wirken die Erklärungsversuche, warum Benjamin Button ist, wie er ist, nur unbefriedigend und die entscheidende Frage, die ich mir schließlich am Ende stellte, nämlich, wie die Tochter mit ihren Erkenntnissen umgeht, bleibt in meinen Augen vollkommen ungeklärt. Kurzum, dieser Film war nicht der Film, von dem ich dachte, dass er zum Oscar-Abräumer taugen sollte.
So kam es dann auch nicht. Ich habe den Anfang der letzten Woche nicht zu Hause, sondern bei einer Freundin in Freiburg verbracht. Insofern bekam ich zunächst auch nicht viel von der Oscar-Verleihung mit, irgendwann sickerte dann dennoch zu mir durch, dass Benjamin Button nicht wie erwartet zum großen Abräumer wurde und ihm stattdessen dieser ominöse Film
„Slumdog Millionaire“ die Show stahl. Am Donnerstag, zurück in Würzburg, bot sich dann auch die Möglichkeit spontan diesen Film zu sehen (Filme, die Mittwoch spätabends
in der Sneak im
Cineworld im Mainfrankenpark laufen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit am Tag darauf im Corso in der Stadt zu sehen *hint*). Ich wusste eigentlich gar nichts über diesen Film, außer dass er in Indien spiele und irgendwas mit „Wer wird Millionär“ zu tun habe.
Nunja, ich war beeindruckt. Nicht weil jetzt
dieser Film ein Meisterwerk gewesen wäre, aber doch, weil die Geschichte eine so ganz andere ist, die viel authentischer erzählt wirkt, die weniger fiktional und dabei im grunde genauso fantastisch ist. Ich mag keine Bollywood-Filme und vielleicht hat mir gerade deshalb dieser Film so gefallen, der von vielen Indern selbst dagegen schwer kritisiert wird. Verständlich, zeichnet der Film doch ein äußerst düsteres Bild von diesem Land, dass seinen Bewohnern sicherlich nicht gefällt. Aber dennoch strahlt dieser Film eine gewisse Faszination für dieses Land aus, in dem hier eine so anrührige Story spielt, dass man nachvollziehn kann, warum dieser (im übrigen britische!) Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget einen solchen Erfolg hat. Ich mag auch keine halbdokumentarischen Elendsdramen, vielleicht hat mir dieser Film auch deshalb so gefallen, dass er dann letztlich doch nicht auf alles verzichtet, was zu Bollywood gehört und einem ein befriedigendes Ende gibt
„Slumdog Millionaire“ kommt in Deutschland am 19. März in die Kinos und ist meiner Meinung nach ein etwas ungewöhnlicherer, sehenswerter Film.